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Samstag, 20. Oktober 2012

James Joyce - Literatur als Ereignis

Literatur als Erreignis
Lesereihe über vermeintlich schwere Literatur

Vom Turm in die Großstadt
oder Ein Requiem für Buck Mulligan
Auch: Versuch einer Einführung in den modernen Roman

Quartiersbüro und Stadtbibliothek Dachau-Ost
Fritz Sandmann
21. Oktober 2012

Manuskript des Vortrags:

Ich beginne, liebe Freunde und Zuhörer, diese Lesereihe über vermeintlich schwere Literatur, wie man sich vielleicht aufgrund meiner Ankündigung schon ausrechnen konnte, mit dem Begründer des modernen Romans und fange am besten ohne lange Vorreden an am Anfang desselben, will Sie aber doch dahingehend beruhigen, daß ich nicht vorhabe alle circa 1000 Seiten desselben zu lesen, sondern nur das erste Kapitel mit einigen Abschweifungen und sogar dieses verkürzt. Ich bitte Sie lediglich um etwas Geduld, falls Sie Literaturkenner sein sollten und dann dieser meiner Eindeutschung skeptisch begegnen müssen.

Am sechzehnten Juni – das Jahr und Jahrhundert verschweigen wir noch – stieß ein junges Herrlein die obere Luke in dem Treppenhaus eines Turmes auf, von dem noch zu berichten sein wird, steckte seine fürwitzige Nase in die frische Brise des vom Meer herauf und herein blasenden Morgenwindes, von wo just auch die Sonne herein und herabschien, in ihrer Bahn gerade so weit vorgeschritten, daß sie dem Oberwähnten so gut und warm ins Gesicht schien wie der Wind kühl ihn umfächelte. Schon auf Acht ging es zu. Etwas fröstelnd, zumal sein goldgelber Morgenrock sich im Wind bauschte, aber doch frohgemut, mit einem Lächeln im frechen Gesicht trat dieser Buck Mulligan hinaus auf die Hochfläche des Turmes, den vor Zeiten samt ein paar anderen Wehrgemäuern rings um die Bucht von D. der englische Staatsmann Pitt hatte errichten lassen, als die Franzosen auf dem Meer waren und Britanniens Stolz und Größe ernstlich auf die Probe gestellt war. Nun, die Feste hielt stand, wie wir wissen, und das war bis dato nicht anders geworden.
Moment noch, liebe Zuhörer! … Ich muß das zu Ende führen – trotz Ihrer, falls Sie Literaturkenner sind, sehr berechtigten Frage, ob das jetzt ein Jux ist und wozu dieser gut sein soll.
Britanniens Glück, durch den Verlust einer unbedeutenden überseeischen Provinz kaum geschmälert, blühte über den Erdkreis, wenngleich etliche von den hiesigen Inselbewohnern es ein Leichentuch schalten und nichts blühend an ihm fanden als den Unsinn, daß die trockenste Nation unter dem Himmel die Meere beherrscht …
Der Turm, noch immer trutzig die Bucht von D. überragend, diente nun anderen Zwecken oder – im Sinn der Welthistorie – auch gar keinem mehr, war er doch als Studentenquartier für zwölf Guineen pro Quartal ordentlich angemietet, und das englische Kriegsministerium wachte nur noch scharf über den regelmäßigen Eingang der Zahlung. Der angehende Mediziner Mulligan und sein mehr poetischer Freund Steven, den wir noch unten im Turm vermuten dürfen, sannen da ihrem ganz persönlichen Trotz nach. Welchem Trotz denn? Nun, hab Geduld, lieber Leser, und besonders du, liebe Leserin, laß Großmut walten! Nicht vorschnell verwerft, was da brodelt und trotzt in den Köpfen junger Männer! Wie oft schon wogte solches Zweifeln, Entwerfen und Träumen hernach ins Weite und knickte den erhabenen Gang der Weltgeschichte in die kleine kreisförmige Höhlung eines Rasierspiegels. Und, in der Tat – dieser irische Gaukler Malachi Mulligan, genannt Buck, was zu deutsch „Bock“ heißt, trug da nichts anderes als eine Schale mit Seifenschaum vor sich her, hob sie in die Höhe und hob selber an, seinen seit 10 Tagen zum Überdruß seines Freundes allmorgendlichen Gesang anzustimmen … ein unfehlbares Mittel, diesen aus seinen Grübeleien zu reißen und ein wenig auch zu verspotten, war dieser Stephen doch von Jesuiten erzogen und noch immer arg strenggläubig in seinem zu Paris hinzuerworbenen Agnostizismus, worunter man seit dem Altertume jene Gedankenrichtung versteht, die den lieben Gott in Abrede stellt, gewöhnlich aber das eigene Ich gleich hinterher.
So, besser kann ich's nicht – James Joyce in Wilhelm Raabe zurück zu übersetzen!
Was soll der Blödsinn?
Nun, das hat mehr Gründe, als ich hier aufzählen kann. Meine eigene Nähe zu Wilhelm Raabe, dem Chronisten der Sperlingsgasse, zählt da mit. Dann wird auch die ganz andere Erzähltechnik eines modernen Autors durch die direkte Gegen-überstellung mit dieser mehr steinzeitlichen Stilrichtung vielleicht deutlich, weshalb ich jetzt nicht so lang dazwischen reden darf. Auch ist der historische Bezug reizvoll, den ich hiermit anknüpfe: Dem irischen Jungautor, durch Begabung schon mehrfach aufgefallen, hätte die bloß 17 Jahre ältere Ricarda Huch, die noch Raabe-Stil schreibt, ja vielleicht helfen können, sein Erinnerungsbuch mit dem ulkigen Namen „Ulysses“ in Fasson zu bringen. Denn so kann man das ja nicht stehen lassen. Leider war da grad großer Krieg, der auch nicht viel stehen ließ („erster Weltkrieg“, von uns aus gesichtet) und der irische Spinner in dessen Verlauf ganz auf sich alleine gestellt, so daß er nicht anders konnte als in diesen vier Jahren und noch dreien mehr, auf der Flucht vor den Völkergemengen, den ersten wirklich modernen Roman der Weltgeschichte zu schreiben. Last but nor least haben Sie, liebe Freunde und Zuhörer, durch diesen Umweg schon einen ersten Einblick gewonnen und stehen nicht ganz so nackt – jeder Ahnung entblößt – da wie ein Leser, der dieses Buch etwa zufällig aufschlägt, um es sodann sehr wahrscheinlich sogleich wieder zuzuschlagen, welches – nun näher dem Original – gar nicht versponnen, sondern eher wie ein Faden, den man durch ein Nadelör zieht – so beginnt:
(James Joyce, Ulysses, erstes Kapitel)
Gemessenen Schrittes kam der dicke Buck Mulligan oben aus dem Treppenhaus, einen Kelch mit Seifenschaum vor sich her tragend, auf dem gekreuzt ein Spiegel und ein Rasiermesser lagen. Ein ungegürteter gelber Morgenmantel bauschte sich hinter ihm in der milden Brise des Morgenwindes. Er hielt den Kelch in die Höhe und stimmte an:
Introibo ad Altare dei“
(Hereintreten werde ich an den Altar Gottes)

Stoppte ab, linste zurück in das dunkle Treppengewinde und schrie:
Komm rauf, Kinch, du schleichender Jesuit!“
Trat nun feierlich vor und erstieg den Kanonentisch, einen kreisrunden Steinsockel, sah sich um im Kreis und erteilte seinen je dreimaligen Segen dem Turm selbst, dem umliegenden Land und der aus dem Meer erwachend heraufsteigenden Bergwelt. Dann, als ihm Dedalus seitlich ins Blickfeld geriet, warf er sich zu ihm herum, schlug Kreuze in die Luft, schüttelte mit dem Kopf und stieß glucksende Laute aus. Stephen Dedalus, mißmutig und verschlafen, stützte sich auf die Lehne des Treppenausgangs. Fröstelnd sah er hin ...
auf das glucksende, wackelnde, ihn segnende Gesicht, pferdig in die Länge gezogen (durch dieses Grimassieren wohl), und auf das locker sitzende Haar, dem zum Mönch nur die Tonsur fehlte, helles, gekrümeltes fahl eichfarbenes Haar.
Kurze Durchsage: Es handelt sich hier – meines Erachtens – um die erste Spur eines inneren Monologes (besser: Innenrede), eine Erzählform, die später in diesem Roman immer häufiger wird. Die Kommentierung der Erscheinung jenes Buck Mulligan erfolgt aus der Innensicht des Dedalus, ohne ihre nüchtern beschreibende Gangart sichtlich zu verlieren, was auf Anhieb nicht so leicht zu verstehen ist, da das Schriftbild bei Joyce nicht darauf hinweist. Da kocht was! Aber – gleich weiter!
Buck Mulligan spitzte nun neugierig unter den Spiegel, deckte das Rasierbecken gleich wieder zu damit, lächelte schlau.
Zurück inne Kaserne!“
sagte er streng, fuhr dann wieder fort im Ton eines Predigers:
Denn dies, andächtige Gemeinde, ist die wahre Eucharistie, Leib und Blut und Seele und Dingsda. Langsame Musik jetzt bitte, getragen schreitend, aber doch zum Lichte empor! Leute, schließt eure Augen! Ruhe im Glied!
Einen Moment noch. Es ist nicht zu spaßen mit diesen weißen Körperlein.“
Er schielte gen Himmel und stieß einen langen dumpfen Pfeifton aus, verharrte dann in gespannter Erwartung. Sein ganz weißes Gebiß glitzerte hie und da golden.

Chrysostomos! zu deutsch: „Goldmund“!
(Wieder höhnische Innenrede des Stephen natürlich.)

Aus der Stille am Treppenschacht um Stephen rum antworteten zwei scharfe Pfiffe, zerrissen das Schweigen.

Dank, alter Junge!“
rief Buck Mulligan, frisch und erleichtert, fuhr dann so fort:
Das wird jetzt fein. Stell den Starkstrom ab! Komm aus der Schmollecke!, ja?“
Er hüpfte vom Kanonentisch und schaute ernsthaft seinen Bewacher an, während er achtsam die losen Falten seines Rocks sich um die Beine schlug. Sein derbes Gesicht, nun im Schatten, erinnerte mit seiner mürrisch aufgestülpten ovalen Kinnlinie an einen Prälaten – mittelalterlichen Bewahrer der Künste.

Ein freundliches Lächeln entrang sich dem Lippenspalt und Buck Mulligan sagte:
Das Spaßige dran – dein absurder Namen, der eines alten Griechen.“
In freundlichem Spott hob er den Zeigefinger und schlenderte hinüber zur Turmbrüstung, in sich hineinlachend. Stephen Dedalus stapfte ihm halbwegs nach und setzte sich erschöpft auf den Rand des Kanonentisches; beobachtete ihn still, wie er den Klappspiegel auf der Brüstungsmauer plazierte, den Pinsel in die Schale tunkte und Backen und Hals einseifte.

Buck Mulligans fröhliches Geplauder ging weiter:
Mein Name ist ja genauso absurd – Malachi Mulligan, zwei Daktylen. Es klingt hellenisch, trippelnd und versonnen wie der gute Buck selber, meinst du nicht?
Ach, wir müssen uns nach Athen aufmachen! Nur du und ich. Kommst du mit, wenn ich Tantchen bezirze, uns zwanzig Pfund auszuwerfen?“
Er legte den Pinsel beiseite, lachte vergnügt, schrie:
Kommta mit, der jenuine Jesuit?“
Er brach ab, begann sich sorgfältig zu rasieren.

Sag mir, Mulligan ...“
sagte Stephen betont ruhig.

Ja, mein Schatz?“
Wie lang noch gedenkt Haines sich in diesem Turm aufzuhalten?“

Eine rasierte Backe zeigte sich über Buck Mulligans rechter Schulter.
Mein Gott, ob er lästig ist?“
Er sprach's frei heraus dann:
Ein klotziger Sachse. Er denkt, du bist kein Herr. Diese verfluchten Engländer!
Bis zum Platzen voll mit Moneten und schlechter Verdauung.
Bloß weil er von Oxford kommt, schon eine Größe!
Du, Steven, hast die wahre Oxford-Manier. Er kann dich nicht ausstechen.
O, mein Name für dich ist der beste: Kinch, die Klinge.“
Achtsam fuhr er mit dem Messer über sein Kinn, während Steven sagte:
Er hat die ganze Nacht über was von einem schwarzen Panther geraunt.
Wo hat er sein Schießeisen?“
Ein armer Irrer!“
sagte Mulligan.
Du hattest Muffe?“
Ja, hatte ich!“
sagte Stephen mit Nachdruck, einen Klos im Hals überwindend.
Da draußen im Dunkeln mit einem Kerl, der was weiß ich faselt und in sich hineinstöhnt von einem schwarzen Panther, den er erschießen muß.
Du, Buck, hast Menschen vom Ertrinken gerettet. Ich bin kein solcher Held.
Wenn der da bleibt, hörst du?, dann bin ich weg.“

Buck Mulligan besah stirnrunzelnd den Schaum auf seiner Rasierklinge.
Er kam runter von seinem Hochsitz und begann hastig seine Hosentaschen zu durchsuchen – die wir, liebe Freunde, unter dem Morgenmantel nun vermuten dürfen.
Dreck!“
schrie er entgeistert.
Er kam rüber zum Kanonentisch, griff in Stephens Jackentasche, sprach:
Wir leihen uns mal eine Parzelle von deinem Schneuzfetzen.“

Stephen ließ ihn gewähren, wie er ein schmutziges verkrumpeltes Taschentuch ihm aus der Tasche zog und an einem Eck zur Beschau in die Höhe hielt. Buck Mulligan wischte mit einem Zipfel desselben die Rasierklinge sauber. Dann, wieder das Taschentuch bestaunend, sagte er:
Des Barden (irischen Sängers) Rotzfahne! Eine innovative Farbtönung im Rahmen der freisinnigen irischen Poesie: rotzgrün, nahezu schmeckbar.“
Er bestieg nun wieder die Brüstung und blickte hinaus über Dublin Bay; sein blondes, fahl eichfarbendes Haar bewegte sich leicht im Wind.
Gott“,
sagte er geruhsam,
ist die See nicht wirklich, wie Algy sagt Who the fuck is Algy?? –
eine graue zärtliche Mutter? Die rotzgrüne See. Die Hodensack-umschlingende See.
Epi oinopa ponton (wie Homer sagt): Hin auf weinfarbenem Meer (kam ich gesegelt / zu begegnen den Menschen von anderer Zunge und Wesen) …
Ach, Dedalus, die Griechen! Ich muß sie dich lehren.
Du mußt sie lesen im Original. Thalatta! Thalatta! (Die See! Die See!)
Sie ist unsere große zärtliche Mutter. Komm und schau!“
Stephen stand auf und ging hinüber zur Brüstung. Sich darüber lehnend sah er hinunter auf das Wasser und auf das Postschiff, das gerade die Hafeneinfahrt von Kingstown durchfuhr.

Unsere mächtige Mutter!“
sagte Buck Mulligan. Er wendete plötzlich seinen suchenden Blick ab vom Meer und sah Stephen direkt ins Gesicht, sagte:
Die Tante glaubt, daß du deine Mutter umgebracht hast“,
das ist der Grund, warum sie nicht will, daß ich weiter mit dir verkehre, weißt du?“
Irgend wer hat sie umgebracht“,
sagte Stephen düster.

Du hättest niederknien können, verdammt noch mal, Kinch, wenn schon deine sterbende Mutter dich darum bat“,
sagte Buck Mulligan.
Ich bin ein Hyperboräer wie du, das weißt du, ein Barbar aus dem Norden.
Aber zu denken, daß deine Mutter mit ihrem letzten Atem dich bittet niederzuknien und für ihre Seele zu beten, und du verweigerst es ihr – da ist etwas Sinistres, Verschwiegenes, Dunkles in dir, das ...“
Er brach ab, beseifte leichthin seine Kinnunterseite. Ein verzeihendes Lächeln umspielte seine Lippen.
Aber eine verdammt reizende Nummer ...“
murmelte er in den Bart, den er grad sich abkratzte, wiederholte verträumt:
Kinch, die reizendste Nummer auf der Welt!“
Er rasierte in gleichmäßigen Strichen, sorgfältig, still vertieft in sein Tun. Stephen, mit einem Ellenbogen auf dem verwitterten Granit aufgestützt, barg seine Stirn in den Handteller und starrte auf den fadenscheinigen Ärmelsaum seines schwarzen Jacketts. Qual …
Achtung! – jetzt wieder Innenansicht, wenn auch von außen erfaßt, als würde der Erzähler diesem Stephen Dedalus eine Sonde ins Gehirn bohren! Die Schwebung zwischen dritter und erster Person, vom Er zum Ich der „Innen-Rede“, erfolgt dann für meine Begriffe etwas zerdröselt. Es fällt aber dem freundlichen Leser, der schon die Identität des Autors mit diesem Stephen vermutet, nicht schwer, sich damit ab- und in den scheinbar objektiv-lupengenauen Fortgang der Ereignisse, die gleichsam die Spielfläche wechseln zwischen „außen“ und „innen“, allmählich hineinzufinden.

Qual, keine natürliche Qual, noch nicht die Qual der Liebe, zerkrampfte sein Herz. So still, behutsam still, war sie in einem Traum zu ihm gekommen;
ihr geschundener Leib in seinem losen braunen Grabgewand verströmte einen Duft von Wachs und Rosenholz – ihr Atem ging hin über ihn, stumm anklagend, ein Hauch feuchter Asche, mit Wasser gelöschten Feuers.
Durch die Fransen des Ärmelsaums sah er das Meer, herbeizitiert als eine große zärtliche Mutter durch die fette Stimme gleich neben ihm. Die Kreise der Bucht und des Himmels verschlangen sich in eine träge Masse bittergrüner Flüssigkeit.
Eine mit Wasser gefüllte Schale aus weißem Chinaporzellan hatte neben ihrem Sterbebett gestanden. Darin schwamm Galle, schlierig grün, stoßweise unter Stöhnen erbrochen aus ihrer verfaulenden Leber.

Buck Mulligan putzte wieder sein Rasiermesser.

Stilwidrig überspringe ich ab jetzt immer wieder einige Textstellen, sag dann „Hm.“ Buck trägt Stephen bessere Klamotten an. Der lehnt ab, weil sie nicht schwarz sind.

Er kann sie nicht tragen!“
belehrte Buck sein eigenes Spiegelbild (schaute dabei in den Spiegel).
Etikette ist Etikette! Er bringt seine Mutter um, aber graue Hosen kann er
nicht anziehn.“
Hm.
Ich krallte ihn mir“,
sagte (den Spiegel meinend, der einen Sprung hat) Buck Mulligan,
aus der Kammer der Blaumacherin. Für sie tut er's. Die Tante hält für Malachi immer unansehnliche Dienstboten. ,Führe ihn nicht in Versuchung!'
Und ihr Name ist Ursula.“
Wieder mit einem Lachen brachte er den Spiegel außer Reichweite der forschenden Blicke des anderen.
Hm.
Stephen, halb im Weggehn, drehte sich um, deutete hin und sagte, mit Bitterkeit:
Das ist ein Symbol für die irische Kunst: das gesprungen Schauglas eines Dienstboten.“

Buck Mulligan klinkte plötzlich seinen Arm unter den seinen und ging mit ihm rund herum auf der Turmhöhe; Rasierer und Spiegel klackerten in der Manteltasche.
Es ist, mag sein, nicht nett, dich so aufzuziehen, Kinch“,
sagte er freundlich.
Der liebe Gott weiß, du hast mehr Verstand als all die andern.“

Wieder pariert! Er fürchtet die Lanzette meiner Kunst wie ich die seine,
die kalte Stahlfeder.
Hm. Buck sagt:
Das gesprungene Schauglas eines Dienstboten,
sag das dem Hornhochsen unten und stoß ihn an um eine Guinea. Er stinkt vor Geld und denkt, du bist kein Herr. Sein Alter machte seinen Zinn damit, daß er den Zulus irgendein Wurzelzeug verhökerte. Mein Gott, Kinch: wenn du und ich zusammenwirken könnten, wir würden was vollbringen für die Insel, glaubst du nicht? Hellenisiere es, was da rumort in dir!“
Cranlys Arm, seine Waffe!
Thomas Cranley ist eben jener Prälat aus dem Spätmittelalter, Schirmherr Irlands in Diensten von Heinrich dem Vierten und Erzbischof von Dublin, den Steven bereits bei seiner ersten Charakterisierung Bucks vergleichend erwähnte. Buck Mulligan fährt (wie Stephen meint) in eben dessen Umarmungstaktik nun fort.
Das sich nur vorstellen, daß du die Schweinebande anbetteln mußt!
Ich bin der einzige, der weiß, was in dir steckt. Warum vertraust du mir nicht mehr? Was stinkt dir an mir? Hat Haines was damit zu tun? Wenn er sich dicke macht hier, hol ich Seymore und der wird ihm schlimmer was auf die Nase geben als neulich diesem Clive Kenthorpe!“

Clive Kenthorpe ...
Junges Gebrüll aus geldgepolsterten Kehlen in Klive Kenthorps Stuben. Bleichgesichter! Halten sich den Bauch vor Lachen, einer in den andern verkeilt.
,Oh, ich vergehe! Bring ihr das schonend bei, Aubrey! Ich sterbe!“
Er in Fetzen, das Hemd wedelt zerschlitzt in der Luft, hüpft und stolpert,
immer um den Tisch rum, die Hosen auf die Fersen gerutscht,
verfolgt von Ades aus der Magdalen-Bar mit der großen Schneiderschere,
marmeladig eingesülztes Kalbsgesicht mit herausgerollten Augen.
,Ich will, will nicht entbuxt sein! Macht mich nicht zum tanzenden Ochsen!'
Rufe zum offenem Fenster hinaus zerfetzen die Abendstille;
im Viereck draußen unten ein tauber Gärtner im grünen Schurz, maskiert mit dem Gesicht von Mathew Arnolds, dem englischen Kritiker-Poeten, der gesagt hat, Poesie habe Kritik oder Deutung des Lebens zu sein; stößt seinen Mäher über den düsteren Rasen, betrachtet verkniffen den Flug der tanzenden Grashalme.
Zu uns kommen! … Neopaganismus! – Neuheidentum! …
Omphalos! – Nabel!

Ach, laß ihn ungeschoren!“
sagte Stephen, sich aus seinen Gedanken lösend:
Da ist nichts falsch mit Haines, außer wenn's Nacht wird.“

Was ist es dann?“
fragte Buck Mulligan ungeduldig.
Ich bin ganz ehrlich zu dir. Was hast du nun gegen mich?“
Sie blieben stehn, blickten hinüber auf das stumpfe Kap von Brey Head;
wie die Schnauze eines schlafenden Wals lag's auf dem Wasser.
Stephen machte still seinen Arm los.
Du willst es wissen?“
Ja, was ist es?“
antwortete Buck Mulligan.
Ich kann mich an nichts Böses erinnern.“
Er blickte Stephen ins Gesicht. Ein leichter Wind überstrich seine hochgezogene Braue, wellte sanft sein lockeres Haar und streute kleine Silberflöckchen von Angst in seine weit geöffneten Augen.

Stephen, von seiner eigenen Stimme überrascht und geängstigt, sagte:
Erinnerst du dich an den Tag nach dem Tod meiner Mutter, als ich zu dir kam?“
Buck Mulligan erschrak und sagte schnell:
Was? Wo? Ich erinnere mich nicht. An nichts. Mir tanzen bloß irgendwelche Schemen vor Augen, Ideen, Gefühle … Warum? Was passierte da in drei Teufels Namen?“
Du machtest Tee“,
sagte Stephen,
und ich ging über den Treppenabsatz, mehr heißes Wasser holen. Deine Mutter kam mit irgendeinem Besuch aus der Umkleide. Sie fragte dich, wer bei dir sei.“

Ja?“
sagte Buck Mulligan.
Was sagte ich? Ich hab's vergessen.“

Du sagtest: ,Ach, es ist nur Dedalus, dessen Mutter gestern biestig zu Tode kam.'“

(Hm. Hm.) Mulligan kann sich an nichts erinnern, verteidigt sich damit, was er als angehender Arzt alles ansehen müsse, überall nur biestiges Sterben und Überleben, und fragt, warum er, Stephen nun plötzlich so feinfühlig sei.
Absurd“,
sagte er.
Ich nehme an, ich hab das gesagt. Aber ich wollte doch das Andenken deiner Mutter nicht beleidigen.“
Er hatte sich in Rage geredet. Stephen, der die aufbrechenden Wunden in seinem Herzen verbergen wollte, sagte sehr kalt:
Ich meine gar nicht, wie du meine Mutter beleidigt hast.“

Was denn dann?“
fragte Buck Mulligan.

Wie du mich beleidigt hast!“
antwortete Stephen.

Buck Mulligan drehte sich auf dem Absatz herum, stieß hervor:
Was … was für ein unmöglicher Mensch!“
Er wandte sich ab, schritt schnell an der Turmbrüstung entlang einmal rund rum. Stephen hielt seinen Posten, schaute über das ruhende Meer zur Landspitze hinüber. Meer und Landspitze wurden trüb vom Herzschlag, der in seinen Augen pulsierte, und er spürte das Fieberrot seiner Wangen.

Eine Stimme von innerhalb des Turmes schrie:
Bist du da oben, Mulligan?“

Ich komme!“
schrie Buck Mulligan zurück. Er wandte sich Stephen zu und sagte leis:
Schau auf das Meer! Was weiß es von Beleidigungen? Laß fahren deinen Loyola, den Ordensgründer, und komm runter. Der Sassanide wünscht seinen Morgenspeck!“
Die Sassaniden, persisches Herrschergeschlecht, bekannt wegen ihres vorbildlichen Münzwesens sowie ihres Zoroaster-Kultes, zusammengereimt: Lichtgott Geld.

Noch einmal tauchte sein Kopf aus dem Treppenschacht, auf gleicher Höhe mit dem Plafond.
Trag's nicht den ganzen Tag mit dir rum, Kinch, was ich verbrach!
Ich bin inkonsequent. Gib das Brüten auf!“
Er verschwand, aber sein beim Hinabsteigen aufschallender Gesang war noch zu hören:
Nicht länger steh beiseit' und brüt'
der Liebe bitterm Rätsel nach!
Denn Fergus lenkt den erznen Wagenzug!“

Wenn man das Gedicht des im Deutschen noch immer uneingeführten irischen Lyrkers (und sogenannten Barden) William Butler Yeats ganz liest, hat man schon die Einleitung in Stevens folgende Innenrede und vielleicht diesen ganzen Roman:

Wer geht mit Fergus?

Wer macht sich auf mit Fergus' langem Zug
durch dichten Wald und tiefe Einsamkeit
zum Tanz am Strand am weiten Meer?
Tu, Jüngling, ab Geraun und Selbstbetrug!
Tu auf dein helles Auge, süße Maid!
Und hoffe nichts und ängste dich nicht mehr!

Nicht länger steh beiseit und brüt
der Liebe bitterm Rätsel nach!
Denn Fergus lenkt den erznen Wagenzug
der durch der Wälder krauses Winken zieht
der Trübsee weißer Brust zu nahn, die müd
sich selber träumt dem Schwarm der Sterne nach

Baumschatten trieben im Frieden der Morgenstille, vom Treppenkopf seewärts, hin, wo er (Stephen) stand, und weiter ins Weite. Am Strand und etwas ferner war der Wasserspiegel überhaucht von einem flirrenden Weiß, überweht von leichtbeschuhten Füßen, windgeschwind. Weiße Brust der Trübsee. Zwillingsklänge verschwisteter Sphären, Luft und Wasser; immer zwei bei zweien sich hinrankend. Ein Harfner schlägt so die Saiten. Verschmelzung ihrer verschwingenden Töne, Akkorde der verzweit sich suchenden Sphären. Weiß wogende Paarung schimmernder Worte
über den Gezeiten der Trübsee.
Eine Wolke fing an, die Sonne zu verdecken, verschattete die Bucht in ein tieferes Grün. Es lag hinter ihm; ein Kelch mit Bitterwasser, über den Rand hinaus voll.
Das Lied von Fergus: Ich sang es allein im Haus, mit ihr, unterdrückte die langen dunkel nachziehenden Zeilen. Ihre Tür stand offen.
Sie mochte meine Musik. Auf leisen Sohlen, weh und scheu
trat ich an ihr Bett. Sie weinte in ihre zerwühlten Kissen.
,Wegen diesen Worten, Stephen! – der Liebe bittres Rätsel!'
Was noch?
Ihre Geheimnisse: alte Federfächer, bordierte Tanzkarten, mit Moschus behaucht,
Perlenketten aus Bernstein in ihrer verschlossenen Schublade.
Als sie ein Mädchen war, hing im Fenster auf der Sonnenseite immer ein Vogelkäfig.
Den alten Rouce hörte sie singen in der Burleske von „Turko dem Schrecklichen“ und konnte sich mit den andern vor Lachen nicht halten bei seinem Lied:
,Ich bin der Junge
Der hat's auf der Zunge
Genieß bei de Weiberleit
volle Unsichtbarkeit'

Geisterhafte Vergnügungen, weggefaltet, verduftet –
Nicht länger steh beiseit' und brüt!
Weggefaltet in die Annalen der Natur. Zwischen den Seiten Erinnerungsstückwerk, flachgepreßt wie Strohblumen, Spielzeug der Geschichte … zwischen den Lebensdaten haltlose Rufe nach mehr, viel mehr – Zungenrede – meine?
Perlenkette aus geheimnisvollen Worten, verschwiegenen Dingen, überhaucht mit heißen Gebeten – ,Herr! Herr!' – heilig alle.
(Verzeihung jetzt, sollte ich etwas hinzufügen! Dies ist eine Nachdichtung.)
Heilig ihr Wasserglas, vom Küchenbrett zu holen, wenn sie das Sakrament empfangen hatte. Ein ausgehölter Apfel, mit Zimtzucker gefüllt, der eines dunklen Abends eigens für sie geröstet, ihr Herz berührte. Ihre kindliche Freude:
,Wie, du weißt noch, daß das meine Leibspeise ist?' Ja, heilig!
Noch mehr damals und dreimal heilig ihre hübschen polierten Fingernägel,
blutrot vom Zerquetschen der Läuse, die sie uns Kindern aus den Hemden gezupft hatte ...
In einem Traum – still! – ich bin es nicht würdig!
Still war sie zu ihm gekommen. Ihr loses Grabgewand umschlotterte ihren eingefallenen Leib. Duft nach Wachs und Rosenholz. Ihr Atem ging über ihn hin wie Geruch feuchter Asche; Wasser, über eine zu langsam verglimmende Glut gegossen.
daß du eintretest unter mein Dach!
Ihre fahlen aus dem Tod mich anflehenden Augen, mich allein,
meine Seele zu schütteln und zu beugen.
aber sprich nur ein Wort!
Das Sterbelichtlein, ihre Agonie beleuchtend. Tanzender Schein über ihr zerquältes Gesicht huschend – wie Hohn? Ihre rasselnden Atemstöße im Todeskampf,
in mystischem Schrecken herausgepreßt, während alle ringsum schon auf den Knien lagen und beteten – wie Hohn!
,Liliata rutilantium
te confessorum turma circumdet
Iubilantium te virginum chorus excipiat'
(Erbleichte unter den Errötenden
Dich umgebe der Bekennenden Schar
Dich empfange der jauchzenden Jungfrauen Chor)

Ihre Augen auf mir: ,Knie nieder, bitte, du auch!'

,Mutter, ich kann nicht ... vor diesen
Laß mich am Leben!'

Ghul! Leichenfresser!

Aus dem Inneren des Turmes klang Buck Mulligans fröhliche Stimme:
Kinch, ahoi!“

Jetzt noch nicht Pause, sondern ich versuch ein paar verbindende Worte einzustreuen.

Seit ich Internet habe, liebe Freunde und Zuhörer, bin ich genau neun mal klüger als vorher. Ich weiß jetzt und teile es Ihnen mit, daß auf meine zwischenzeitlich ausgestoßene Frage „Who the fuck is Algy?“ die glasklare Antwort lautet: „Algernon Swinburne“ ist gemeint, ein englischer Dichter des 19. Jahrhundert, skandalumwittert wegen etlicher schamverletzender Meer-Metaphern (bildhafter Vergleiche) über den noch zulässigen „Meerbusen“ hinaus. Ich hab mich ja sozusagen als Vor-Leser, der das Dickicht dieses Werks in sechs Sprachen und 55 Idiomen lichten soll, jedenfalls so, daß man von vorne hinein kommt, freiwillig gemeldet und muß das wissen. Es ist gewiß auch wissenswert, aus welcher uns entlegener Geisterküche sich dieser Buck Mulligan bedient, wenn er Stephen rät, seinen jesuitisch bohrenden Geist zu hellenisieren. Bloß ist die Frage, ob James Joyce vorhatte, aus seinem Buch ein Quiz oder „Who is who?“ der ganzen Weltliteratur oder auch nur seiner eigenen wie man sagt „stupenden“ (verblüffenden) Weltkenntnis zu machen. Tut er nicht im Gegenteil alles, dieses Schubfachwissen zurückzuräumen ins gesprochene, gesungene, geatmete Wort?
Ich sag jetzt einfach, es ist so, um ohne große Beweisführung das weiterzuführen, was ich am Anfang mit meinem kleinen Stilvergleich schon anschubste.
Unser Raabe ist nämlich gar nicht so unmodern. Den souveränen Erzähler hat auch er schon aufgegeben.
Was im Gedicht und im Lied bis heute ohne weiteres möglich ist, durch direkte Einfühlung in den Gang der Sprache auch deren Inhalt subjektiv (selbst) zu erschließen, ist im Roman nahezu unmöglich. Da erwartet jeder eine Einführung, etwa das, was auf dem Theater die Szene ist. Das ist aber für einen Erzähler seine eigene Vorstellung, die er miterzählen muß, und so färbt er schon das Wie der Rede durch das Was seiner Aussage, durch seinen eigenen Entwurf eines Zusammenhangs, in welchem ein Gespräch erst zustandekommt (oder auch im Gegenteil nicht).
Den muß er dem Leser irgendwie beibringen oder auch zuschwindeln, wozu sich alterprobte Muster anbieten, Liebes-, Abenteuer-, Kriminalroman.
Das will nun ein moderner Autor gerade nicht und will doch das Vertrauen des Lesers ganz gewinnen, mit ihm einig sein. Ein Ausweg ist der nichtsouveräne Erzähler. Schon Wilhelm Raabe und vor ihm auch schon Puschkin beziehen den lieben oder bösen Leser direkt mit ein, geben sich überrascht von bestimmten Wendungen ihrer Geschichte, betonen aber eben hierdurch ihre Mittlerrolle. Ein Schritt weiter geht der schon zu den Modernen gezählte André Gide, der in dem Roman „Die Falschmünzer“ zum Leser seines eigenen Buches wird, fragt, ob man die Geschichte zu einem ganz anderen Schluß führen könnte, ein feines Spiel mit Worten, offen in alle möglichen Richtungen, inszenierte Wirklichkeit auf der Kippe zum Schein oder der Klippe zum Wahnsinn, von dem Dramatiker Pirandello als Bühnenspiel gebracht, das es ja eigentlich ist, in seinem Stück „Sechs Personen suchen einen Autor“. Joyce macht den Leser, diesen beiden vorgreifend, vollends zum Mitautor, allerdings unter der Devise „Friß oder stirb!“ Joyce verschickt keine Einladungskarten, daß der Leser ihm folgt. Immer das nächste Ereignis schließt das vohergehende auf in geschlossener Abfolge. Der Autor hält nur Aufnahmegeräte hin, Kamera, Mikrophon, und eine Art Hirnsonde, zu denen er nur wie ein Mediziner die augenfälligsten äußeren Regungen hinzufügt. Diese zeichnet mit, was die betreffende Person im Inneren erlebt, wodurch erst die Umgebung mitbeleuchtet wird – und der Leser muß diese Gefühle mit den geredeten Worten erst zusammenfügen und dann auch noch die Umgebung sich ergänzen, in der dies spielt. (Ein gewisser Haken dabei ist, daß es immer nur eine Person sein kann.)
So, jetzt bin ich am Punkt. „Ulysses“ ist eine einzige fortgesetzte Anbahnung tiefer Einblicke in eine nach Worten ringende menschliche Seele in unserem bürgerlichen und technischen Zeitalter – grauenvoll lustig und erhaben lächerlich … all die subtilen Dunkelheiten versuchter Zwiesprache mit Gott und der Welt … Na, ja, sobald man in den als belanglos angesehenen Dingen sich selber spiegelt zum anderen hin, dann geht das schon, kehrt auch zurück: das Altvertraute, ein Gefühl von Heimat, ein Reden ohne Programm. So, jetzt aber Schluß, ich mein ...

… Pause
Wie krieg ich den Anschluß?
Daß ich jetzt etwas weniger hoch gestochen weiterredeJoyce stellt uns drei Figuren hin, aus deren Redestil (zusamt Gebärdik und Aussehen) wir unseren eigenen Umgang mit Sprache lernen könnten, freilich nicht in der gewöhnlichen Mischform, sondern säubelich getrennt voneinander. Der dritte, den wir noch gar nicht richtig kennengelernt haben, ist Haines, der Sprachbenutzer, ungefähr der heute sich über alles aus dem Internet Informierende, was in wissenschaftlichen Dingen wohl das beste ist, aber eher nicht in Sachen Dichtung. „Wie heißt das? Was heißt das? Wie geht man damit um? Wo kommt es her? Was kann man damit anfangen?“ Dieser Haines (der anscheinend keinen Rufnamen hat, wozu auch?) wirkt aber sympathisch durch seine Wißbegierde und seine Naivität. Ihm graß gegenüber steht der alles beherrschende Buck Mulligan (vom Autor stets mit beiden Namen benannt), Zeremonienmeister der Sprache, schillernd zwischen scharfem Zynismus und lockender Wortpracht, die immer ein wenig zitiert klingt. Zwischen diesen beiden Archetypen, äh, Urviechern der menschlichen Rede eingezwängt sehen wir den oder das Dritte, das zum Weltkind erst werden will, den mit Vornamen genannte Stephen, der da noch nicht James Yoyce ist, der Autor des Ulysses, Erbauer eines Sprachlabyrinthes, auf daß einer herausfinde, der eine Ariadne sich anlächelt.
So, zur einstweiligen Orientierung: Buck der Redner, Stephen der Sprachschöpfer, Haines der Sprachbenutzer. Zwischen den zwei ersteren zerbricht gerade eine Freundschaft, und eine hauchzarte Annäherung zwischen den zwei letzteren bahnt sich an, des Sprachschöpfers mit einem Interessierten an Sachen, was vielleicht auf Stephens spätere Liaison mit Bloom schon vorausdeutet.
Mit dem „Mabinogion“, von dem gleich die Rede sein wird, hätte ich mir beinahe einen furchtbaren Schnitzer in streng sachlicher Beziehung erlaubt, denn ich hielt es für eine lustige Erfindung des trollhaften Buck und wollte es auf deutsch in die „Kannitschaden“ umdeuten, wegen des Reims auf die altindischen „Upanischaden“. Dieses Mabinogion gibt’s aber wirklich, wie das Internet weiß: 1838 erschienene Sammlung mittelalterlicher Texte im Stil der noch heute beliebten Gothic-Stories.
Der zweite Teil wird kurzweiliger, weil ich jetzt nur noch springe, wie gesagt äußerst stilwidrig. Zur Anknüpfung brauch ich noch den „Ahoi!“ rufenden Buck Mulligan. Überhaupt ein lustiger Gesell ist das, da kann ich dem Stephen nicht ganz folgen, wenn er ihn bezichtigt, eine kalte Stahlfeder zu führen.
Buck Mulligan also ruft ihn vom Deck oben in die Kombüse unten, kann sich aber natürlich nicht enthalten, einen Wink und ein Späßchen einzuflechten:
Sein Kopf verschwand im Treppenschacht und tauchte gleich wieder auf.
Ich erzählte ihm (dem Engländer Haines) dein Symbol der irischen Kunst.
Er sagte, er findet's geistreich. Stoß ihn an um ein Pfund!“

Stephen erklärt, daß er das nicht nötig hat, nächstens selber vier Sovereigns heim bringen wird für seine Lehrtätigkeit drüben in Dublin.

Vier glänzende Sovereigns!“
frohlockte Buck Mulligan,
Wir werden uns einen in die Krone gießen, daß die druidischen Sterngucker vor Neid erblassen. Puh! – vier gottsallmächtige Sovereigns.“
Er warf die Arme hoch, stapfte die Steinstufen hinunter, grölte mit Cockney-Akzent (im Londoner Slang):
Da wolln ma jetz all fröhlich sein
und trinken Whisky, Bier und Wein
am Krö-nungs-tagg
Der Königin ihrm Krönungtagg
da fiel mir nie nix anders ein
wie Jubeln bis ich unten lag“

Warmer Sonnenschein brachte Aufheiterung über das Meer. Die Nickelschale mit dem Rasierschaum stand elend verlassen auf der Turmbrüstung.
Warum soll ich sie ihm nachtragen? Oder sie hier stehn lassen den ganzen Tag über als Zeichen vergessener Freundschaft? Er ging hin, hielt sie eine Weile in Händen, ihre Kühle spürend, roch das klamme Geklapse des Eindrucks, den der Pinsel im Schaum hinterlassen hatte, müde Gefolgschaft heiliger Handlung.
So trug ich damals in Clongowes (irisches Kirchspiel) das Weihrauchschiffchen hinter dem Priester her. Ich bin jetzt ein anderer und doch noch die gleiche Nummer. Noch immer Dienstbote, Diener eines Bedienten.

Pflichtbewußt oder in alter Gewohnheit trägt er das Rasierbecken hinunter, stellt es an seinen Ort, wo Buck gerade in seinem Element ist, schaltet und waltet. Da tritt nun ein entsetzlicher Fall ein. Buck schreit:
O, Schund, keine Milch!“

Stephen holte grade den Brotlaib und den Honigtopf und den Butterkühler aus dem Regal, Buck Mulligan setzte sich nieder in stiller Verzweifung.
Sie hat es verdämmert!“
sagte er.
Ich sagte ihr ausdrücklich, nach Acht soll sie kommen!“
(was ja immer noch eingehalten wäre, wenn sie bis Mittag kommen würde)

Wir könnten ihn schwarz trinken“,
sagte Stephen,
Wir haben da noch eine Zitrone im Regal.“

O, zur Hölle mit dir und deinen Pariser Manieren!“
sagte Buck Mulligan.
Ich wünsche Landmilch vom Euter.“
Haines kam vom Eingang her und sagte ruhig:
Da kommt von unten grad diese Frau, die immer die Milch bringt.“

Aller Segen Gottes walte über dich!“
schrie Buck Mulligan.
Bis die Milchfrau wirklich da ist, denn der Aufstieg zum Turm ist zeitraubend, kann Buck sich nicht enthalten, das folgende Zwiegespräch zweier Landfrauen zu improvisieren und noch weiter zu scherzen. Zunächst sagt Haines, nachdem er den Tee verkostet hat, daß dieser stark sei.
Hierauf ...
sprach Buck Mulligan, der gerade Trümmer vom Brotlaib schnitt, ein altes Weib imitierend, mit etwas gilfzender Stimme:
,Wenn och mach Tee, mach och Tee!' wie schon so richtig Mutter Grogan bemerkte, ,und wenn och mach Wasser, och mach Wasser!'“

Beim Jupiter!“
warf Haines ein,
Es ist Tee!“

Buck Mulligan fuhr ungerührt fort in seiner eifernd verzwickten Rede:
,Ganz wie och aach,!' sagte drauf Mutter Cahill,
bloß mecht ich hoffen, Se mechtn nich machn Ihrn Tee und Ihr Wasser
in een Topf.“

Er sprang ins Gefecht, warf seinen Kampfgefährten einen dicken Brotfladen nach dem anderen zu, auf sein Messer gespießt, sprach dabei betont ernsthaft:
Das ist Volksmund! Für dein Buch, Haines, über ,Irische Merkwürdigkeiten'!
Zwölf Zeilen Text und zehn Seiten Fußnoten, betreffend das niedere Volk und dessen Fischgötter in und um Dummdrum. Gedruckt im Verlag der Wetterhexen im Jahre des großen Windes.“
Er wandte sich Stephen zu und fragte, fein näselnd mit erhobenen Brauen:
Kannst du dich erinnern, mein Bruder, ob Mutter Grogans Tee- und Nachttopf als ein Beleg ursprünglicher Symbolik in den altirischen ,Kannitschaden' – Pardon! im ,Mabinogion' ! – durch eine entsprechende Stelle aus den ,Upanischaden' (altindische Sprüche der Weisheit) sich etwas aufhellen läßt?“

Ich bezweifle es“,
sagte Stephen mit Grabesstimme.

Weißt du das bestimmt?“
sagte Buck Mulligan im selben Ton leiser,
Deine genauen Gründe dafür! Bete sie her!“

Mir kommt es vor“,
sagte Stephen, während er kaute,
diesen Topf gibt es weder innerhalb noch außerhalb so tiefgreifender Sammlungen. Mutter Grogan war, wie man in Kreisen der Wissenschaft heute annimmt,
eine Anverwandte von Mary-Ann, der Revuetänzerin.“

Buck Mulligans Gesicht leuchtete auf.
Bezaubernd!“
sagte er er mit geziert süßer Stimme; seine weißen Zähne blinkten wie seine Augen.
Denkst du wirklich, daß sie das war? Bezaubernd!“
Dann, plötzlich, als würde eine Wolke sein sonniges Lächeln überschauern, brach er aus in ein düster wieherndes Gelächter, und mit überschnappender Stimme sang er:
Ach, alte Mariann
die ich gar nit leiden kann
Doch hebt sie ihre Pettycoats ...“

Pettycoats, durch die Amerikaner in den fünfziger Jahren hier bekannt gemacht, heißt einfach „Unterrock“.
Ich entsage dem (im Deutschen) sich geradezu auftdrängenden Reimschluß:
Doch hebt sie ihren Unterrock, gleich wird aus mir ein Ziegenbock“
nämlich in der zwischenzeitlich bei mir eingetretener Erkenntnis, daß dieser Autor auch noch im deftigsten Wortwitz sachliche Schwebungen liebt. Einer Eröffnung folgt auf den Fuß die Gegeneröffnung.
Die nun eintretende alte Frau ist auch etwas Schwebendes.
Allen Truggestalten (so sagt der von Stephen wie auch Joyce verehrte Thomas von Aquin) liegt eine innere Wahrheit zugrunde, und nur aus diesem Kern heraus wirken sie. Nun, dann ist diese Milchfrau eine von jenen Truggestalten, die mit ihrem Wahrheitskern nahezu eins sind. Da kommt sie. Hört zu!

Den Eingang verdunkelte eine eintretende Gestalt:
Die Milch, mein Herr.“

Komm'n Se rein!“
sagte Buck Mulligan.
Kinch, hol den Krug!“ ...

Eine alte Frau kam hereinspaziert, blieb stehen vor Stephens Ellenbogen, wie er, Hand in die Hüfte gestützt, ihr den Weg versperrte.
Das ist draußen ein wunderschöner Morgen, Herr!“
sagte sie ins Dunkel hinein.
Ehre sei Gott in der Höh!“

Wem?“
sagte Mulligan, sie anblinzelnd,
Ach so!“

Stephen wich zurück und holte den Milchkrug vom Ständer.

Die Inselbewohner“,
raunte Mulligan Haines zu,
führen andauernd den Vorhautsammler, den mosaischen Gott, im Munde.“

Wieviel heute?“
fragte die alte Frau.

Ein Viertel“,
sagte Steven.
Er beobachtete, wie sie mit ihrem Maß die Milchmenge wog und in den Krug goß.
Satte schöne Milch, nicht ihre eigene. Alte verschrumpelte Brüste.
Wieder goß sie ein Achtelmaß und noch was drüber in den Krug.
Alt und geheimnisvoll war sie aus dem Morgendraußen hereingetreten,
vielleicht eine Botin!
Sie pries die Güte der Milch.
Selbstgemolken aus den Eutern einer geduldigen Kuh;
bei Tagesanbruch auf offenem Feld unter sie hingekauert;
runzlige Finger, dunkle Milch aus schwellenden Brüsten, nicht ihren;
im Namen der nicht schändbaren Ehre Gottes, tief oben, weit draußen.
Die spritzenden Zitzen einer Vertrauten, tauseidig glänzend;
brüllendes tauseidiges Viehzeug verlangt nach ihren kundigen Händen;
Seide gesponnen aus dem Born vergossener Weisheit,
in alten Zeiten mit vielen Namen benannt, alle gelöscht heute.
Wanderchronik, Innenbild eines alten gebeugten Weibes,
dienend seinem Herrn und Geliebten, maßlos demütig,
Botin von Morgen her, dem noch kein Tag folgt.
Herbestellt zum Dienst oder um anzuklagen?
Er kann's noch nicht sagen, weigert sich aber,
ihre Gunst zu erbitten.

Das ist wahr, Frau!“
sagte Buck Mulligan, während er die Milch in die Tassen goß.

Zuerst probieren!“
sagte sie.
Er trank aus ihrem Meßbecher, sprach:
Wenn wir uns nur immer so gut ernähren würden!“
Diese ganzen Zivilisationskrankheiten hier und anderswo, wissen Sie?,
würden schon im Keime erstickt – Welteroberungsgelüste bis totale Resignation,
eine ganz leicht erklärbare Folge falscher Ernährung.“

Sie studieren Medizin?“
fragte die alte Frau.

So ist es, liebe Frau!“
gab er zur Antwort.

Stephen hörte zu in betretenem Schweigen.
Stephens Innenrede verkehrt sich abrupt, wie er bemerkt, daß die alte Frau so gehorsam den laut auf sie einredenden Kameraden zuhört, die wohl vermuten, daß alte Frauen immer schwerhörig sind. Er mischt sich aber erst ein, wie sie dann auch dem Haines pflichteifrig zuhört, obwohl sie sichtlich gar nichts versteht:
Sie beugt ihr altes Gesicht einer Stimme, die laut auf sie einredet.
Ihr Knocheneinrichter, ihr Medizinmann, mich schneidet sie.
Der Stimme ist sie hörig, die sie ausforschen und einölen wird fürs Grab,
alles an ihr bis auf ihre unreinen Weiberlenden, Fleischwerdung nicht in Gottes tieferer Absicht, sondern vom Gebet der Schlange.
Und auch vor der anderen lauten Stimme kuscht sie,
in ängstliches Schweigen versetzt durch verwunderlich unstete Worte.
Verstehen Sie denn, was er sagt?“
fragte Stephen.

Ist es Französisch, was Sie da sprechen?“
sagte die alte Frau nun zu Haines. Wieder hielt dieser eine längere vertrauliche Rede, auf richtige Aussprache bedacht.

Irisch!“
sagte Buck Mulligan,
Haben Sie kein Gälisch drauf, Gnädigste?“

Ich dachte mir schon, daß es irisch ist“,
sagte sie eifrig,
so dem Klang nach. Sind Sie aus dem Westen?“

Ich bin Engländer“,
sagte Haines.

Er ist aus England und glaubt drum, man muß in Irland irisch reden“,
sagte Buck Mulligan.

Natürlich sollten wir das“,
sagte die alte Frau.
Und ich schäme mich, daß ich es selber nicht kann.
Von denen, die es können, hörte ich, es sei eine gewichtige Sprache.“

Gewichtig ist noch kein Ausdruck“,
sagte Buck Mulligan.
eine bezaubernde Sprache! Gieß uns Tee nach, Kinch! “

Im Gegensatz zu den zwei irischen Schnöseln erweist sich der Engländer Haines als Kavalier und ruft sie, wie sie sich nun schnell verabschieden will, zurück:
Haben Sie die Rechnung dabei?
Wir sollten besser bezahlen, Mulligan, meinst du nicht?“

Rechnung?“
fragte sie, verwundert innehaltend.
Nun, das sind sieben Morgen ein Achtel zu zwei Pence, macht Sieben mal zwei,
sind ein Schilling und zwei drüber, und diese drei Morgen ein Viertel zu vier Pence macht drei Viertel zu einem Shilling, dazu einer und Zwei, macht Zwei und Zwei, werter Herr!“
Woraus man, werte Zuhörer, entnehmen kann, erstlich, daß die alte Frau rechnen kann wie ein Eichhörnchen, zum zweiten, daß die beiden zerstrittenen Freunde nun den zehnten Tag, mit dem Engländer Haines zusammen aber erst den dritten Tag in diesem Turm nächtigen, dessen richtigen Namen und Übernamen wir dann auch noch erfahren werden. James Joyce filtert seine Botschaften durch das feinste Sieb alltäglichster Wandlungen, das man sich vorstellen kann.
Buck Mulligan seufzte, hatte den Mund voll mit einer beidseitig dick bebutterten Stulle, streckte seine Beine vor und kramte umständlich in seinen Hosentaschen.
Bezahl und sei freundlich!“
sagte Haines grinsend.
Stephen goß den letzten Tee nach ... Buck Mulligan brachte einen Florin (Zwei-Shilling-Stück) zum Vorschein, drehte ihn ungläubig zwischen den Fingern und schrie:
Ein Wunder!“
Er schusserte ihn über den Tisch der alten Frau zu, säuselte:
Nicht mehr verlang von mir, mein Herz!
Ich gebe alles, was ich geben kann.“

Sie empfing das Geldstück aus Stephens Hand, unbegierig.

Zwei Pence bleiben wir also schuldig“,
sagte Stephen.

Ach, Zeit genug, Zeit genug noch, lieber Herr,
sagte sie,
Einen guten Morgen, die Herren!“
Sie knickste und ging hinaus, verfolgt von Buck Mulligans zärtlichem Gesang:
Herz meines Herzens, wär es mehr,
ich würd es gerne dir zu Füßen legen.“

Wie nun schon die Trennung der Freunde auf dem Weg in die Großstadt sich abzeichnet, sagt Buck, eher im Plural der eigenen Person:
Zuerst wollen wir aber noch schwimmen gehn!“
Er wandte sich Stephen zu und fragte einschmeichelnd:
Ist das heute vielleicht der Tag deiner Monatswäsche, Kinch?“
Drauf sagte er zu Haines:
Der dreckige Barde legt Wert darauf, sich einmal im Monat zu waschen.

Ganz Irland wird vom Golfstrom gewaschen“,
sagte Stephen friedlich, als er Honig über seine Brotschnitte vertröpfelte.
Er muß sich nämlich als einziger nicht umziehn.
Haines sprach aus seiner Ecke, wo er grade ein Halstuch über den offenen Kragen seines Tennishemdes legte:
Ich beabsichtige, wenn Sie einverstanden sind, eine Sammlung
Ihrer Aussprüche anzulegen.“
Stephens Innenrede hierauf:
Sie reden mich an als wenn sie über mich reden würden!
Sie waschen und schrubben und betutteln ...
Aber es bleibt immer ein Fleck.
Haines sagt:
Das von dem gesprungenen Schauglas eines Dienstboten,
daß das ein Symbol der irischen Kunst ist, das ist göttlich.“
Buck Mulligan stieß unter dem Tisch Stephen mit dem Fuß an und sprach warm:
Wart, Haines, bis du ihn hörst, was er über Hamlet zu sagen hat!“

Haines noch immer Stephen zugewandt, sagte:
Wirklich, das mein ich ja grad. Ich mußte dran denken,
als diese arme alte Kreatur zur Türe hereinkam.“

Kann ich Geld damit machen?“
fragte Stephen.

Ich weiß nicht … sicher ...“
Er (Haines) trollte sich verlegen zur Tür hinaus.
Buck Mulligan wandte sich gegen Stephen und sprach mit Groll:
Jetzt hast du dein blödes Huf in die Speichen gebracht.
Stephen wollte das natürlich. Er verabscheut Geld. Buck schmollt, da er es doch gut gemeint hat, hadert dabei auch mit sich selbst.
Aus seinem Morgenmantel schlüpfend sagt er resigniert:
So, Mulligan ist nun seiner Würde entkleidet ...“
Er leerte seine Taschen auf den Tisch aus.
Da ist dein Nasentuch …“
… kleidet sich zum Ausgehen um, grummelt:
Meinetwegen! Bin ich halt ein Krämer und Wortprotz voll innerer Widersprüche.“
Ein schlappiges schwarzes Wurfgeschoß sauste aus seinen sprechenden Händen.
Da hast du deinen ,Quartier-Latin-Hut', alter Pariser!

Stephen nahm ihn und stülpte sich ihn auf den Kopf. Haines rief vom Ausgang her:
Freunde, kommt ihr?“

Sie schlendern nach draußen. Stephen geht voraus.
Haines fragte:
Zahlen Sie Miete für diesen Turm?“

Zwölf Pfund“
sagte Buck Mulligan.

An das Sekretariat des Kriegsministeriums“
ergänzte Stephen über seine Schulter zurück.

Sie hielten an, während Haines den Turm betrachtete und dann sagte:
Ziemlich windig, wenn's mal Winter wird, würde ich sagen.
Und man nennt ihn ,Martello', den Myrten- oder auch Hammerturm?“

Billy Pitt hat diese Trümmer da her gebaut!“
sagte Buck Mulligan,
als die Franzosen auf dem Meer waren. Aber der da heißt bei uns ,Omphalos', Nabel.“

Was ist das mit Ihrer Idee über Hamlet?“
fragte Haines Stephen.

Nein, nein!“
stöhnte Buck Mulligan auf.
Ich bin den fünfundfünfzig Wäggründen des Thomas von Aquin nicht gewachsen. Warte, bis ich was Hochprozentiges intus hab … nicht unter drei Pinten ...

Es ist so lang schon aufgeschoben“,
sagte Stephen gleichgültig,
da kann's auch noch länger warten.“

Sie stacheln meine Neugier“,
sagte Haines zutraulich.
Ist es etwas Paradoxes?“

Puh!“
sagte Buck Mulligan.
Wir sind Oscar Wilde und seinen paradoxen Selbstfindungen entwachsen.
Es ist ganz einfach. Stephen hat sich rein algebraisch ausgerechnet,
daß der Enkel von Hamlet Shakespeares Großvater ist,
und er selbst ist der Geist seines Vaters.“

Was“,
sagte Haines, indem er unsicher auf Stephen hinzeigte,
er selbst?“

Buck Mulligan schlang sich sein Halstuch wie eine Stola um den Hals, wand sich vor unterdrücktem Gelächter und raunte Stephen zu:
Recht hat er ja, o du blasser Abhauch von Kinch dem Älteren!
Japhet, Noahs Kleinster, sucht seinen Vater.“

Wir sind immer verschlafen in den Morgen hinein“,
sagte Stephen zu Haines.
Es ist eine ziemlich lange Geschichte.“
Buck Mulligan, nun wieder vorschreitend, erhob seine Hände und sprach:
Nur heilige Pinte kann entbinden des Dedalus Zunge“,

Ich wollte sagen“,
erklärte sich Haines, wie sie beide hinterher trotteten,
dieser Turm und die Klippen da erinnern irgendwie an Elsinor:
,die Klippen an dem Fuß des Riffs zum Meer hinaus'“
In Schlegels Übersetzung von Hamlet, erster Akt, vierte Szene, warnt Horatio zu Helsingör/Elsinor Hamlet vor der Gefahr, dem ihm winkenden Geist seines Vaters zu nahen, so:
Wie, wenn es hin zur Flut euch lockt, mein Prinz
Vielleicht zum grauen Gipfel jenes Felsens
Der in die See nickt über seinen Fuß?
Und dort in andre Schreckgestalt sich kleidet
Die der Vernunft die Herrschaft rauben könnte
Und euch zum Wahnsinn treiben, o bedenkt!
Das Spiel mit zurückgesetzten Söhnen, hier noch von Buck Mulligan inszeniert, zieht sich über die volle Breite und Tiefe oder – wie man sich heute auszudrücken pflegt – „Spannweite“ des abendländischen Kulturerbes, wobei immer Stephen der Vergleichs- oder auch Fluchtpunkt ist: Noahs Sohn Japhet, der in biblischer Sicht der Stammvater der Indogermanen ist; Telemach, Sohn des Odysseus/Ulysses, zurückgelassen auf Ithaka/Irland; der zurückgesetzte Thronerbe Hamlet im Reich Dänemark, wo manches faul ist; last but not least Jesus von Nazareth auf der Suche nach seinem himmlischen Vater: Steven Dedalus als Tetrarch, Vierfürst aller verschollenen Reiche der Phantasie – na ja, erst in prinzlicher Kandidatur.
Warum Buck Mulligan in den mir bekannten Kommentaren zum Ulysses so schlecht wegkommt, weiß ich nicht. Der Autor tut alles, um ihn leuchten zu lassen. Im Grunde ist Stephen, aus dem dann James Joyce wurde, der Weisung von Buck Mulligan gefolgt, Hellas als die erste Schule der Phantasie anzusehen. Stephen eignet sich ihn an und stößt ihn dann weg. Nicht grundlos gewiß, da Bucks Zynismus jede Hoffnung auf Besserung nahezu auslöscht, aber da ist doch eine Schwebe, ob nicht eben dieser Buck Mulligan auch ein Flehender ist, der eben deshalb von Stephen, dem Sprachschöpfer, nicht lassen will. Ich selbst knüpfe, halb von Buck, halb von Stephen her, eine Beziehung zu Lenz, Büchner und Kafka. Davon aber zuletzt! Begleiten wir die Drei weiter an den Elsinorstrand, mehr englisch als altirisch!

Buck Mulligan wandte sich augenblicklich Stephen zu, sprach aber nichts.
Eine leuchtende Stille brach auf, und Stephen sah sein eigenes Bild,
wie er in billiger Trauer zwischen ihren leuchtenden Gewändern dahinging.

Ich las irgendwo eine theologische Abhandlung über Hamlet“,
sagte Haines gedankenverloren.
Die Vater-und-Sohn-Idee. Der Sohn ist bestrebt, innig mit dem Vater zu leiden.“

Buck Mulligan setzte jäh ein breites Lächeln auf, glotzte sie an; von seinen tölpelhaft aufgesperrten Augen wich jede Spur von Scharfsinn und seine schöngeformte Mund-partie krauste sich spitzbübisch. Er machte einen Luftsprung hin, einen anderen her, schwenkte seinen Panamahut und hub still-fröhlich närrisch zu singen an:

Ich bin, eich gesagt, a kauziga Kerl
Mei Vatter a Vogl, mei Muttal a Gschwerl
Mit'm Joseph, dem Schreiner, bin ich kaum verwandt
A Gschmeiß her vom Himml, so bin ich bekannt“

Warnend erhob er den Zeigefinger nun.

Wenn jetzt jemand denkt, daß ich nicht göttlich bin
Dem weiter zu wirten hab ich nicht im Sinn
Kommt a solcher zu Tisch, will begabet sein
Dem mach ich gleich wieder zu Wasser den Wein!“

Er versetzte Stephen schnell einen liebevollen Klaps auf den Hintern. Auf eine überhängende Klippe zurennend, schwang er seine Arme als Flügel wie jemand, der sich in die Lüfte erheben will, und sang:

Adieu nun! Gott grüß euch! Schreibt auf, ich komm
nach dem Tod gleich wieder! Grüßt Maggy und Tom
auch von Herzen! Sagt ihnen, mir wurden zu kalt
des Ölberges Winde – Grüß Gott euch bis bald!“

Natürlich stürzt er sich nicht von der Klippe. Der Autor macht noch schnell aus dem Panama-Hut einen Merkur-Hut, daß auch die heidnische Parallele mit durchscheint, denn etwas Ordnung muß sein im pandämonischen, äh, vollgeistigen Wechselbad der Stammkulturen. Stephen bleibt unbeeindruckt. Es ist aber herzig, wie Haines darauf eingeht:
Haines, der verhalten mitgelacht hatte, trat neben Stephen und sagte:
Wir sollten da nicht lachen, vermute ich. Es ist ja ziemlich blasphemisch,
verhöhnt den Glauben. Ich selber bin auch nicht gläubig im Sinn der Kirche,
muß ich zugeben. Und noch ist es ja so, daß seine Lustigkeit dem Spott
den Stachel nimmt, meinen Sie nicht? … “

Es ist die Ballade vom lustigen Jesus“,
sagte Stephen.
O“,
sagte Haines,
Sie haben es schon vorher gehört?“

Dreimal pro Tag, nach jeder Mahlzeit“,
antwortete Stephen trocken.
Haines:
Ich glaube, Sie sind auch kein echt Gläubiger. Ich meine: im engeren Sinn des Wortes: Schöpfung der Welt aus dem Nichts und so weiter.“
Stephen:
Das Wort hat immer nur einen Sinn, glaub ich.“
Haines:
Natürlich. Entweder man glaubt oder man glaubt nicht.
Ich persönlich krieg die Idee eines persönlichen Gottes nicht runter.
Sie auch nicht, oder?“
Stephen (mit Ingrimm):
Sie begegnen in mir dem abstoßenden Exemplar eines Freidenkers.“
Im Weiterschlendern zieht Stephen seinen bardischen Eschenstab neben sich her hart über den Hoppelweg, der ihm als Echo „St-e-e-e-e-e-e-e-phen“ zurück ruft, was nun diesen assoziieren läßt, wie seine eigene Spur eine so gar nicht durchgezogene ist, und wie der böse Buck Mulligan, der ihm nach dem Schlüssel trachtet, auch diese tastende Spurensuche noch ihm abknöpfen will samt dem Geld, das er als kleiner Hilfslehrer nach abgebrochenem Studium hart genug verdienen muß. Nun aber:

Haines:
Schließlich aber doch – mir kommt's vor, daß Sie ein freier Mann sind.“

Stephen:
Ich bin der Diener zweier Herren, einer englischen und einer italienischen Hoheit.“
Haines:
Was für einer italienischen?“
Stephen:
Einer eifersuchtigen alten Königin, die keift: ,Knie vor mir nieder!'
und dem Britischen Staat natürlich.
Und da ist jetzt noch ein Dritter, der mich für Faxereien mißbraucht.“

Ich unterschlage Stephens letzte Innenrede in diesem ersten Kapitel – schallende Glocken vom überhoch ragenden Turm. Höre! Höre! – da wir zum Ende kommen müssen.
… na ja, als ein letzteres heiteres Highlight das, wie Buck Mulligan unseren armen Nietzsche als ersten Menschen verkackeiert! Beim Auskleiden, bevor er sich in die Fluten wirft, faßt er sich an die Brust und vermißt da die unterste Rippe, aus der wohl Eva gemacht ist, schreit:
O, ich bin der Übermensch!“

Was nehmen wir davon mit? Also, äh, ich das:
Ich stell mir das Zwitterwesen vor, das Stephen war, bevor er sich von diesem Buck Mulligan löste, um James Joyce zu werden, der im ersten Weltkrieg „Ulysses“ schrieb, eine gewiß bessere Tat der Historie, wenn auch genau so umraunt leider.
Buck Mulligan ist vielleicht schwul oder bisexuell – fiel Ihnen das auch schon auf?
(The gay Jesus.) Marcel Proust, André Gide, Thomas Mann, der merkwüdige Dichter Hans Henny Jahnn, der „Fluß ohne Ufer“ schrieb, waren es angeblich auch, eventuell wie auch Shakespeare und Goethe. Das sind schon einige Autoren, die Vergleichliches schrieben: ins schier Uferlose hinaustreibende Dramen, Erzählungen und Romane, die in Zeiten der Stagnation als modern gelten. Joyce ist „Hetero“, scheint's, oder „normal verklemmt“, was er dann vielleicht mit Kafka gemein hat.
Allen modernen Dichtern (inzwischen leben wir ja in der Postmoderne, so daß ich das rückblickend sagen kann), ist aber gemeinsam, daß sie die Beklemmung als das Grundgefühl des modernen Menschen vor sich hertragen – keineswegs beschreiben, denn dann wären sie Wissenschaftler. Sie tragen diese Beklemmung vor, aus sich selber heraus, auf daß sie ihnen jemand abnehme – in den Wäldern der Megastädte und in den Surf-Stationen der Home-Pages, und irgendetwas veranlaßt mich zu der Vermutung, daß das der Leser ihrer intimsten Gedanken sein soll.
„Eines Morgens bin ich erwacht“, schreibt einer von diesen, „öffnete das Fenster weit und flog hinaus.“ Programm „Windows“ vermutlich.
Das Fluide, Luft oder Wasser, eröffnet sich auf der ständig wachsenden Müllhalde des inzwischen alle zwei Jahre sich verdoppelnden Wissens der Menschheit.
Da komm ich jetzt aber auf Lenz, noch weitere fünfzig bis hundert Jahre zurück.
Der „Affe Goethes“, den dieser selber als solchen sehr zwiespältig (halb liebevoll, halb verachtend) ewähnt in seinem Werk „Dichtung und Wahrheit“. Vielleicht haben Sie, liebe Freunde, noch die Werbung Buck Mulligans im Ohr um etwas mehr Inkonsequenz, worunter man auch Weite der Betrachtung und Nachsicht verstehen kann.
In der Nacherfassung durch Georg Büchner stößt der arme Lenz abwechselnd die Worte aus: „Konsequent! Konsequent!“ Und „Inkonsequent! Inkonsequent!“ – wörtlich bei Büchner so:
Er jagte mit rasender Schnelligkeit sein Leben durch, und dann sagte er: „konsequent, konsequent“, wenn jemand was sprach: „inkonsequent, inkonsequent“.
Es war die Kluft unrettbaren Wahnsinns, eines Wahnsinns durch die Ewigkeit.
Die Beklemmung, vielleicht auch das Verklemmtsein ins eigene Ich – ein sich öffnender Spalt in einem selber – Lebensgefühl und Daseinsproblem des modernen Menschen seit der Goethezeit schon, also seit Erfindung der „Zivilisation“, der bürgerlichen Weltordnung. Hier jetzt aber – ich will von diesem Rätselkelch nur ein wenig den Deckel abheben wie Buck ... hier, jetzt im vorgeschrittenen Stadium des frühen zwanzigsten Jahrhunderts die zwei hart gedanklich erarbeiteten Lösungen, die eine von James Joyce, die andere von Franz Kafka: zwei Vatersuchen und zwei Wege fast irrsinniger Konsequenz, die eine jeweils die direkte Umkehrung der anderen. Beiden dient der dünn aber um so länger gewordene Zeitfaden, der nur noch durchs eigne Ich führt, als … nun ja … Richtschnur im Labyrinth der krebsartig wachsenden modernen Megastädte des Wissens.
Ich paraphrasiere (umspiele gedanklich) jetzt einfach Kafkas Selbsterkundung, die in all seinen Dichtungen, auch in seinen kürzesten und besten, eine Rolle spielt:
Ich selbst
Einmal traf ich den Anderen. „Wer bist du?“ fragte ich ihn.„Alle fragen mich das“, sagte der Andere, „du darfst nicht so fragen.“„Nur ich darf so nicht fragen?“ entgegnete ich, „den anderen gibst du Antwort?“
Allen andereren ja, daß ich einer von ihnen bin“. – „Lügst du das?“ fragte ich.
Das nicht“, sagte er, „aber versteh doch, du selber bist keiner von ihnen.“
Zorn überkam mich. „Gut“, sagte ich, „ich frage nicht länger, ich befehle es dir:
Sag, wer du bist!“
Deine Frage!“ klang es aus der nun grenzenlosen Leere mir zu.
(Das Ich ist das Nichtsein aller)
Wie bei Joyce ein Wort das andere auslöst, hab ich schon gesagt. Zwei Buchstaben mehr der gleichen Aussage – und wir haben den viel kürzeren Weg der Konsequenz Kafkas: Wie ein Wort das andere auslöscht.
Vatersöhne werden eher selten schwul, haben aber anscheinend ein großes Problem damit, sich selbst auszudrücken. Ein Beispiel lastet auf ihnen, eine Schattengestalt, der sie folgen müssen weiter und weiter, bis diese vielleicht einmal sich auflöst und sie segnet: „Du bist nun so vergangen wie ich“.
Nein, ich führ das jetzt nicht auf Freud und seinen kulturstiftenden Ödypus-Komplex zurück, wollte nur erreichen, daß es Ihnen ein kleinbißchen unheimlich wird in Ihnen selber drin, wo das Ich schläft und träumt, umschmiegt von Gefühlen noch immer.
Bei jeder Erzählung ist es wichtig, wie sie anfängt. Da öffnet sich der Gefühlsgrund.
Joyce geht dann tatsächlich (so dick sein Buch auch ist) „in rasender Schnelligkeit“, nämlich in einer Handlung von 19 Stunden, sein bisheriges glanzloses Leben durch: konsequent, konsequent. Zur Freude der Poetologen und Literaturwissenschaftler ist da einmal „Erzählzeit“ und „erzählte Zeit“ wirklich fast eins. Ein Schnell-Leser kommt nach meiner Berechnung in 27 Stunden durch den ganzen Text. Die Differenz zwischen 19 Stunden erzählter Zeit und den acht Stunden mehr, die man beim Erlesen derselben braucht, wenn man total clever ist, ist unschwer erklärbar durch die mehrfachen Parallel-Führungen des Zeitfadens, in einigen Passagen auch durch den Umstand, daß ausgesprochene Worte mehr Zeit brauchen als unausgesprochene. Joyce hält sich dabei an ein festes Programm – ein Programm, das er sich eher unfreiwillig durch seine kleine, aber um so eifrigere Leserschar später abknöpfen ließ, die ihn staunend bewunderte: die dreißig Jahre und die ihn interessierenden Stationen der Gesänge des Homer vom listenreichen Welterkunder und Meerfahrer Odysseus – von ihm nun eingekocht in achtzehn Romankapitel, nahezu unzählige Sekundensprünge und in den geographisch wie welthistorisch winzigen Um- und Inkreis einer irischen Grußstadt (sic: Grußstadt!) DUBLIN; die Umgebung – modern ausgedrückt: Environment – jeweils erst erschlossen durch gewechselte oder in innerer Seitenrede beschworene Worte, die alle darüber hinaus greifen ins Blaue.
In den Blues überhaupt jeder menschlichen Phantasie greift er, in die Saiten des von Stephen beschworenen alten Harfners. Ilion ersteht wieder aus den Trümmern von Dublin, ein kleinklüftiges Hier und Jetzt, in dem ein friedsames Gespräch über Bäume – um zuletzt auch noch Brecht zu zitieren – noch möglich ist oder – dann wieder ...
Laßt uns noch etwas dem Initial (Beweggrund) dieses Fernwehs nach Nähe nachträumen in dem Fergus-Gedicht des Dichters William Butler Yeats!

Who goes with Fergus?

Who will go drive with Fergus now
And pierce the deep wood's woven shade
And dance upon the level shore?
Young man, lift up your russet brow!
And lift your tender eyelids, maid!
And brood on hopes and fear no more!

And no more turn aside and brood
Upon love's bitter mystery!
For Fergus rules the brazen cars
And rules the shadows of the wood
And the white breast of the dim sea
And all dishevelled wandering stars

Ende

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